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Test - Dragon Quest Treasures : Die moderne Alternative zu Pokémon?

  • NSw
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Dragon Quest gehört zu den wichtigsten und größten JRPG-Serien überhaupt. Abgesehen davon wagte sich die Reihe in schöner Regelmäßigkeit aber auch in andere Genres vor. Mit Dragon Quest Treasures steht die nächste Exkursion an, und die nimmt sich Elemente der Pokémon-Reihe und verknüpft diese mit dem Element der Schatzsuche. Was in der Theorie spannend klingt, stößt in der Praxis auf vermeidbare Probleme.

Sie gehört zum blaublütigen Adel der JRPG-Zunft, dabei aber noch lange nicht zum alten Eisen: die Dragon-Quest-Reihe. Diesen Ruf zementierte 2017 der sage und schreibe elfte Teil der Hauptreihe, Streiter des Schicksals, einmal mehr. Während ihre Kernkompetenz freilich in den klassischen Genre-Künsten liegt, existieren doch zahlreiche Spin-offs in anderen Kategorien. Musou-Prügler, Sammelkartenspiel, First-Person-Schwertkampf oder entfernter Minecraft-Verwandter – alles ist möglich.

Mit Dragon Quest Monsters: Joker 2 wagte sich Square Enix in der Vergangenheit schon einmal in das Monster-Sammel-Genre und trat damit in direkte Konkurrenz zu Pokémon. Das Wasser abtragen konnte man Nintendos Platzhirschen damals nicht, das entmutigte die Verantwortlichen aber keinesfalls. Im Gegenteil, mit Dragon Quest Treasures bläst man erneut zum Großangriff auf die Taschenmonster, ergänzt die Jagd nach tierischen Gefährten allerdings noch um das Element der Schatzsuche. In den Hauptrollen: Erik und Mia aus Dragon Quest XI.

Basis-Wissen

Eure Geschicke lenkt ihr von eurer eigenen kleinen Insel aus, auf der sich das Hauptquartier eures Teams befindet. Per Zug reist ihr von hier aus in eines der fünf umliegenden Gebiete. Drachenschädel, Kragenweiten, Hitzegrat, Schwingenmoor und Winterteil stehen als Ziele zur Verfügung, zunächst gibt es pro Abschnitt nur einen Bahnhof. Weitere schaltet ihr nach und nach durch Nebenmissionen frei, indem ihr dem jeweiligen Bahnhofsvorsteher Ressourcen liefert. Ein Muster, das sich durch das gesamte Spiel zieht wie der blaue Schleim durch die Dragon-Quest-Teile.

Eure Basis befindet sich zum Spielstart in keinem guten Zustand. Die Gebäude sind verfallen und heruntergekommen, es fehlen Anwohner oder Einrichtungen. Lediglich die Monster-Verwaltung bei Herrn Schlammbrosius, die Schatzkammer und die generelle Verwalterin Fräulein Cäcilie finden sich vor Ort. Neue Shops bringt ihr durch Nebenquests in euren Unterschlupf, die symptomatisch für ein weiteres Problem von Dragon Quest Treasures stehen: Backtracking und unnötige Umwege.



Beispielsweise Madame Blancmanger, die Köchin. Wollt ihr sie in eurer Basis haben, müsst ihr sie zunächst im Schwingenmoor aufsuchen. Dort verrät euch die riesige Schleim-Dame, dass ihr eine Krempensau als Verbündeten braucht. Also bekämpft ihr den Monstertyp so lange, bis er bereit ist, sich euch anzuschließen. Entsprechend geht es zurück in die Basis, um zu schauen, ob ihr die nötigen Ressourcen habt. Ja? Gut. Nein? Zurück in die Welt und weiter grinden!

Der fehlende Reiz der Jagd

Auch wenn Square Enix mit Dragon Quest Treasures klar der Pokémon-Anhängerschaft gefallen will, fehlt dem Monster-Sammel-Part ein essenzielles Element: Nervenkitzel. Zugegeben, selbst beim großen Vorbild hält sich dieser in Grenzen, aber so ein Rest an Spannung bleibt dann eben doch, sobald der Pokéball geworfen wurde. Bleibt das Vieh wirklich in seinem künftigen Gefängnis oder nicht?

Bei Dragon Quest Treasures hingegen habe ich schon skizziert, wie die Rekrutierung vonstattengeht: So lange bekämpfen, bis die Meldung auftaucht, dass das jeweilige Monster „gebändigt“ wurde. Dann ab in die Basis, dort die entsprechenden in der Welt gesammelten Ressourcen abliefern und schon schließt es sich euch an. Das System befriedigt weder, noch sorgt es in irgendeiner Form für aufregende Momente. Was auch am drögen Kampfsystem liegt.

Auf den ersten Anblick gut: Ihr greift direkt ein. Mit ihrem Dolch pieksen Erik oder Mia (ihr wählt, wen ihr steuert) die auf der Oberwelt umher streunenden Kreaturen an, der Schaden wie auch die Kombo-Möglichkeiten halten sich in Grenzen. Ihr hämmert stumpf drauf, unterstützt von den drei Monstern, die ihr dabeihabt. Die greifen automatisch und in Echtzeit an, ihre jeweiligen Skills findet ihr in der Basis heraus.

Die Wechselwirkungen der Elemente, die bei Pokémon so wichtig sind, könnt ihr meiner Erfahrung nach in Dragon Quest Treasures komplett ignorieren. Solange euer Level und die eurer Helfer einigermaßen zu denen der Gegner passen, entstehen normalerweise keine Probleme. Besonders dann nicht, wenn ihr die Steinschleuder einsetzt. Die Kugeln verursachen entweder Elementarschaden wie Wind oder sie schläfern Gegner ein, betäuben sie oder heilen eure Verbündeten. Immerhin etwas taktischer Anspruch, das Geschehen wird so aber noch leichter.

Mein Schaaaaaatz

Neben dem Monster-Sammeln und den damit zusammenhängenden Kämpfen markiert die Schatzsuche das zweite Hauptfeature von Dragon Quest Treasures. Schon bei der Abfahrt verraten euch Prozentwerte, wie wahrscheinlich ein Fund in einem bestimmten Gebiet ist. Dort angekommen hilft euch ein Kompass dabei, den ungefähren Standort festzulegen. So weit, so öde.

Theoretisch deutlich spaßiger sucht es sich aber durch den darauffolgenden Vorgang. In der näheren Umgebung der Truhe angekommen, nutzt ihr die Sichtweisen eurer Monster-Begleiter. Wirklich, ihr bekommt drei Bilder angezeigt, auf denen ihr die Position des Schatzes aus diversen Blickwinkeln seht. So müsst ihr die Vision mit der Umgebung abgleichen, was sich nicht immer ganz leicht darstellt. Denn je nach Monstertyp kann der Blick auch mal verdeckt oder von Schlamm bespritzt sein. Durchaus eine nette Idee.

Allerdings torpediert ein Umstand sie ganz massiv: Die Schätze liegen immer an den gleichen Plätzen. Ungelogen, verlasst ihr ein Gebiet, reist in die Basis und kehrt wieder zurück, erübrigt sich das Scannen. Lauft einfach die bisherigen Fundorte ab und euch sind einige Bergungen garantiert. Dabei helfen die Fortbewegungsskills eures Teams. Dank eurer Monster gleitet ihr durch die Lüfte, steigt für kurze Zeit auf und reitet sie und taucht mit ihnen unter die Erde und entgeht so Kämpfen.



Die Anzahl an Truhen, die ihr mitführen dürft, hängt auch mit euren Monstern zusammen. Je seltener und höherstufiger eure drei Begleiter sind, umso mehr Kapazität habt ihr, bevor es ins Hauptquartier zurückgeht. Hier werden eure Errungenschaften gewertet und in den Tresorraum verfrachtet. Je nach Vermögen steigt ihr nach und nach im Jäger-Rang. Das gewährt diverse Buffs und Fortschreiten in der Hauptstory. Bereits früh zwingt euch das Spiel zum Grind und schreibt euch Stufen vor, die ihr erreichen müsst.

Die größten Schatzsucher von Drakonien

Wie eingangs erwähnt, steuert ihr Erik oder Mia. Das Geschwisterduo kennen Dragon-Quest-Fans bereits aus dem elften Serienteil. In Treasures flüchten die beiden von einem Wikingerschiff, ein Ziel stets vor Augen: Schätze. Nachdem sie zwei magische Dolche aus noch magischeren Steinen gezogen haben, landen sie im sagenhaften und vor Reichtümern fast schon platzenden Land Drakonien.

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Begleitet werden sie von den fliegenden Wesen Schnurrsula und Porcus, die ihnen auch gleich eine größere Aufgabe aufbrummen: die Suche nach den sieben Drachensteinen. Infos zu diesen finden sie beispielsweise im Gewirr. Dabei handelt es sich letztlich um Herausforderungsportale, in denen ihr Raum für Raum Gegner verkloppt, um anschließend mit einem Hinweis darauf belohnt zu werden, wo sich der jeweilige Klunker befindet.

Dragon Quest Treasures - Gameplay-Trailer stellt bezaubernde Welt vor

Square Enix hat zu Dragon Quest Treasures einen frischen Gameplay-Trailer veröffentlicht, der euch die bezaubernde Welt des Spiels näher bringen soll.


Die Questmarker eliminieren aber jegliche Spannung bei der Suche. Markiert ihr die Aufgabe in eurem Logbuch als aktiv, führt euch die Anzeige ohne Umwege direkt zum ach-so-gut versteckten Drachenstein. Nicht sonderlich glaubhaft. Ganz allgemein weist die Story von Dragon Quest Treasures nette Grundzüge auf, aber richtig spannend oder auch nur ansatzweise interessant wird sie nie.

Als besonders nervig erweisen sich die anderen Teams, die ebenfalls auf reiche Beute aus sind. Wenn es blöd läuft, befindet ihr euch gerade nach erfolgreicher Bergungstour auf dem Weg zum Bahnhof und werdet plötzlich attackiert. In diesen Schlachten haut ihr aber auch nur wie gehabt Monster zu Klump und verteidigt so eure Schätze.

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